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Organspende

Die Organspende bzw. Organentnehme kommt bei meiner Tätigkeit immer wieder im Zusammenhang mit der Erstellung von Patientenverfügungen zur Sprache. Für viele ist es nicht einfach, eine klare Position dazu zu finden. Einerseits ist der Wusch vorhanden, anderen zu helfen und Organe zur Verfügung zu stellen, wenn man selbst keine Überlebenschancen mehr hat. Andererseits gibt es auch Ängste z. B. vor körperlichen Schmerzen und ethische Bedenken bezüglich des Eingreifens in den Sterbeprozess.

An unsere Bereitschaft Organe zu spenden wird immer wieder appelliert, dennoch nimmt sie derzeit ab. Wohl aufgrund der Berichte zum Organhandel und dem Skandal um die Vergabe von Organen. Der Hirntod ist zwar als medizinische und rechtliche Voraussetzung für die Zulässigkeit einer Organentnahme anerkannt. Dennoch stellt sich für den Einzelnen die Frage, wie man den Sterbeprozess einordnet und welchen Übergangsprozess vom physischen Leben zum Tod bzw. zu einem nicht-physischen Leben man erwartet. Es sind Fragen, die die individuelle Einstellung zum Leben betreffen.

Die Abwägung zwischen den Argumenten für und gegen eine Organspende, wird man in einer Gesellschaft, die von unterschiedlichen weltanschaulichen Überzeugungen geprägt ist, dem Einzelnen überlassen müssen.

Hat man seine persönliche Entscheidung getroffen, ist es sicher vorteilhaft auch die jeweilige Rechtslage zu kennen, die in Deutschland und im benachbarten bzw. viel bereisten Ausland gegeben ist.

In Deutschland muss der Einzelnen seine Spendenbereitschaft zu Lebezeiten ausdrücklich erklärt haben ("Zustimmungslösung"). Dies kann in Form eines Organspendenausweises geschehen, den man am besten mit sich führt. Es macht auch Sinn zum Beispiel in einer Patientenverfügung eine Aussage dazu zu treffen. Angemerkt sei, dass das Lebensalter nicht entscheidend ist, für die Möglichkeit ein Organ zu spenden. Es kommt allein auf den gesundheitlichen Zustand des Organs an.

Außerdem können, wenn der Wille des Verstorbenen bekannt ist, die Angehörigen in seinem Namen einer Spende zustimmen.

Die Zustimmungslösung gilt beispielsweise auch in: Litauen, Malta, Dänemark, Griechenland, U .K., USA, Niederlande, Schweiz.

Anders ist die Rechtslage in Österreich. Hier gilt die sogenannte "Widerspruchslösung". Das heißt, grundsätzlich geht der Gesetzgeber von der Bereitschaft zur Organspende und Gewebeentnahme eines jeden einzelnen aus. Es sei denn er hat dem widersprochen. Das heißt, wer nicht zur Organspende bereit ist, muss dies zum Ausdruck bringen, auch wenn er nicht österreichischer Staatsbürger ist. Der sicherste Weg dazu ist, sich im Widerspruchregister, das vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) geführt wird, registrieren zu lassen. Alle Krankenhäuser sind gesetzlich verpflichtet, vor einer Organentnahme bei hirntoten Personen das Widerspruchsregister abzufragen.

Das Widerspruchsregister ist primär für die Einwohner Österreichs eingerichtet worden.

Personen, die sich nur kurzzeitig in Österreich aufhalten (Urlaub, berufliche Gründe, Besuch), wird empfohlen, ihre persönlichen Willensbekundungen schriftlich bei den Ausweispapieren zu deponieren (z. B. Zustimmung: "Ich will Organspender sein"; Ablehnung: "Ich will kein Organspender sein"). Dieser erklärte Wunsch wird im Fall des Ablebens respektiert. Darüber hinaus wird ein Gespräch mit den Angehörigen gesucht.

Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr müssen in Österreich selbst der Organspende widersprechen, wenn sie keine Entnahme möchten. Ein vorheriger Widerspruch der Eltern wird automatisch aus dem Register gelöscht.

Die Widerspruchslösung gilt beispielsweise auch in: Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Ungarn.

In der Türkei gilt die sog. "Informationslösung". Diese ist eine Variante der Widerspruchsregelung. Es gilt zunächst der zu Lebzeiten geäußerte Wille des potentiellen Spenders. Ist dieser nicht bekannt, dann ist eine Organentnahme zulässig, wenn bestimmte Hinterbliebene informiert wurden und innerhalb einer bestimmten Frist nicht widersprochen haben.

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